TEXT – VORTRAG – Diashow aus der Herrentoilette (7)








 



[7] 33 Jahre nach dem initiierendem Geschehen zur Independents-Ausstellung wird ‘Fountain’ das erste Mal ohne Einschränkung Bestandteil der Kunstszene: es handelt sich um die erste autorisierte „Full-Scale-Version“ (vgl. die Übersicht, die Camfield erstellt hat, S.162f). Für eine Ausstellung in seiner Galerie besorgte Sidney Janis ein Urinal in Paris, das der ersten Fassung recht nahekommt. Duchamp signierte es, wobei die Literatur sich ausschweigt, als was. Sicher ist die am Boden des Pissoirs zu findende Signatur „REPLiCA 1950 / Marcel Duchamp / Rrose Sélavy“ auf ihn zurückzuführen, aber die übliche „R. Mutt 1917“-Signatur kann ebenfalls von Sidney Janis geschrieben worden sein. Über die Beharrlichkeit des Pseudonyms habe ich mich bereits geäußert, aber die Verdoppelung, ja sogar Verdreifachung der Signatur markiert hier eine Zäsur. Duchamp autorisiert sowohl das neue Pissoir als einen adäquaten Vertreter seines verschollenen Vorgängers (ein Vertreter des Vertreters...), als auch die Möglichkeit der Reproduktion der Geste. Die aufkommende Namensvielfalt der Beteiligten (Mutt, Duchamp, Sélavy, Janis) verdeutlicht dabei nur, wie unwichtig der ‘Produzent’ des Objektes gegenüber der Geste selbst ist – sie wird aber recht gewissenhaft auf ihren Initiator zurückgeführt. Die ungewöhnliche Bezeichnung als ‘Replik’, die ja immerhin auf Duchamp selbst zurückgeht, umgeht Camfield in seiner Übersicht mit dem Zusatz „selected“. Eigentlich handelt es sich um eine ‘Replik der Handlung’, dieses Mal aber unter vollkommen anderen und eben kunsthistorischen Umständen. Das führt das erste Mal zu der Angabe von Maßen, wie es sich für ordentliche Kunstobjekte gehört.

Marcel Duchamp, Replik von ‘Fountain’, 1950, Porzellan, 49,4 x 31,2 x 31,2 cm

 

   
 




 


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