‘Fountain’ fotografiert von Alfred Stieglitz in dessen Galerie 291, 1917, Originalabzug der Fotografie,
23,5 x 18 cm

 
TEXT – VORTRAG – Diashow aus der Herrentoilette (3)








 



[3] Welchen Stellenwert hat demgegenüber der Originalabzug von Alfred Stieglitz? In allen Publikationen, die überhaupt auf die Vorlage der Blind-Man-Reproduktion zurückgreifen, wird von dessen besonderer Inszenierung gesprochen. In erster Linie zeigt sich das in dem Titel, den Stieglitz seinem Foto zugedacht hat: ‘Buddha of the Bathroom’. Auch kann nicht geleugnet werden, daß die gewollte Plazierung und Beleuchtung das Objekt veredeln. Letztlich bleibt aber ein ganz anderer Sachverhalt für die zukünftige Auffassung von ‘Fountain’ hervorzuheben. Einerseits ist der von de Duve als „Beschlagnahmungsanhänger“ bezeichnete Zettel, auf dem Richard Mutt als Einreichender vermerkt ist, ein Indiz dafür, daß ‘Fountain’ in der Ausstellung nicht zu sehen war. Andererseits wird aber gerade dieser Umstand in der Reproduktion häufig abgetrennt. Die Abbildung in ‘The Blind Man’ ist um ein Viertel beschnitten und wird damit zum Kanon der nachfolgenden Publikationen, denn das Stieglitz-Original findet selten Verwendung. Der Anhänger wird, wenn er nicht ganz aus dem Blick gerät, so doch zur Nebensache deklariert. Und dabei ist das Foto von Stieglitz für „‘Fountain’, dessen Existenz selbst in Zweifel gezogen werden könnte, gäbe es dieses Foto nicht“ (de Duve S. 109), nicht nur der Beweis, sondern auch die Vermittlung des Werkes selbst. Es gab 33 Jahre lang kein Objekt, das diese Aufgabe selbst hätte übernehmen können, da sich die Spur des Original-Pissoirs mit dem Gerücht eines Verkaufs an Walter Arensberg verliert
(Türr S. 228f).

 

   
 




 


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