[11]
Anordnung der drei 1:1-Repliken aus der ‘Boîte’ in der Ausstellung ‘by or of Marcel Duchamp or Rrose Sélavy’ in Pasadena, 8. Oktober bis 3. November '63

 
TEXT – VORTRAG – Diashow aus der Herrentoilette (10 und 11)








 



[10 und 11] Zehn Jahre später werden die ersten Überblicksausstellungen von Duchamp einer breiten Öffentlichkeit präsentiert und es kann schon von einer kunsthistorischen Einbalsamierung gesprochen werden. Die beiden Ausstellungen – in Pasadena eine Retrospektive und in Stockholm eine Galerieausstellung von Ulf Linde – greifen auf die Präsentationsform der ‘Boîte’ zurück, was weniger an der Position des Pissoirs deutlich wird, als an der vertikal ausgerichteten Nachbarschaft der drei Readymades aus der ‘Boîte’. In Pasadena wird vermutlich auf die 1950er Replik zurückgegriffen, aber Ulf Linde erbittet sich von Duchamp die Erlaubnis zur ‘Wiederholungstat’. Das im April 1963 in Stockholm ausgestellte Pissoir signiert Duchamp später mit „R. Mutt 1917“, nachdem die zur Ausstellung von Linde selbst vorgenommene Signatur wieder entfernt worden war. Die Akribie dieses Details zeigt, wie sehr dieser Vorgang die Readymade-Geste respektiert, obwohl ihre Einmaligkeit vervielfältigt wurde.
Diese erstmalige Präsentationsform der drei übereinandergehängten Readymades bewährt sich offenbar, so daß auch Pasadena im Oktober desselben Jahres die Konstellation aus der ‘Boîte’ aufgreift. Dieser im Grunde kunstwissenschaftliche Bezug nimmt die ‘Boîte’ sehr ernst und suspendiert nachhaltig die Position, die die Stieglitz-Fotografie favorisiert, indem man dieser bildhaften Position mit einer anderen entschieden widerspricht. Dabei wird natürlich der Stellenwert der Fotografie als der erste Stellvertreter für das verschollene Objekt nicht in Zweifel gezogen.

 

 

[10]
Installationsansicht der Ausstellung ‘Marcel Duchamp’, Galerie Buren, Stockholm,
27. April bis Mai 1963





 


<Anfang>
<1> <2> <3> <4> <5> <6> <7> <8> <9> <10+11>
<12> <13 und Literatur>


   

HTML; CSS; JavaScript; GIF; JPEG